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St. Michael Wilhermsdorf

Durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges hatte es zahlreiche Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach Wilhermsdorf verschlagen und die dortige Katholikenzahl erheblich ansteigen lassen. Der bislang bestehende Betsaal im früheren, 1888 errichteten Pfarrhaus reichte in keiner Weise mehr aus, so dass der Bau einer neuen Kirche in Angriff genommen werden musste. Die zur Pfarrei Sondernohe gehörende Kuratie Wilhermsdorf war im November 1956 auch zur eigenen Pfarrei erhoben worden. 1957 standen bereits drei mögliche Bauplätze für den Kirchenbau zur Diskussion. Aus den verschieden eingereichten Entwürfen mehrerer Architekten wählte die Pfarrei den Kirchenbauplan des Nürnberger Architekten Walter Mayer aus, den dieser in Zusammenarbeit mit seinem Vater Fritz Mayer erstellt hat. Nachdem dieser Entwurf mit verschiedenen maßgeblichen Stellen, wie dem Baureferenten des Erzbistum, Prälat Franz Josef Schmitt, sowie der zuständigen Bezirksregierung in Ansbach besprochen und korrigiert war, schickte ihn das katholische Pfarramt im September 41959 zur Neuvorlage an das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg. Der Plan wurde von der Erzbischöflichen Baukommission bei deren Sitzung am 28. Oktober 1959 allgemein gebilligt. Diese Kommission war sogar der Meinung, dass Architekt Meyer das „Projekt ausgezeichnet in die Landschaft gestellt“ hat. Die folgenden und weiter ausgearbeiteten Pläne von Walter und Fritz Mayer, Nürnberg, vom Februar 1961 zeigen im Grunde den noch im gleichen Jahr begonnenen Bau, auch wenn im Detail noch Änderungen vorgenommen wurden. So weist auf diesen Entwürfen die Altarwand noch ein alleiniges, mit einem Kreuz geteiltes Fundfenster auf. Außerdem ist der Turm verspielter gestaltet. Für seinen, hier mit einem massiven Sturz bedeckten offenen Durchgang ist als Akzentuierung ein segmentbogiger Entlastungsbogen vorgesehen, sowie über der Schalllukenöffnung der Glockenstube eine dreieckige Absetzung oder Verdachung. Die örtliche Bauleitung übernahm Architekt Hans Hajek aus Neustadt/Aisch. Nach der Grundsteinlegung am 8. Oktober 1961 war im Juli 1962 der Bau schon soweit fortgeschritten, dass das Kirchenschiff eingedeckt war und Richtfest durch die Aufrichtung des Turmes begangen werden konnte. Am 22. September 1963 weihte der Bamberger Weihbischof Dr. Johannes Lenhardt den Kirchenneubau.

Architektur

Das Gotteshaus thront kirchburgartig zusammen mit dem gleichzeitig erstellten Pfarrhaus an einem Südhang im Norden des historisch gewachsenen Ortskernes von Wilhermsdorf. Dort im Nordosten befindet such auch ein in der Nachkriegszeit erstelltes Neubaugebiet mit so typischen Straßennamen wie „Sudetenstraße“ und „Schlesierstraße“, die auf die Heimatvertriebenen Neubürger hinweisen. Die Haupterschließung erfolgt von der Flurstraße über eine breite Treppenrampe durch den Turm hinauf auf das Kirchplatzniveau. Dort bildet sich zwischen Turm  und Pfarrhaus eine eben und mit Waschbetonplatten bzw. gestockten Betonfeldern befestige Platzfläche aus, die durch Pflasterstreifen in ein großes Quadratraster strukturiert wird. Besonders gestalterisch betont ein großer Pflasterstern die Bodenfläche des Turmdurchgangs.

Kirche, Pfarrhaus und Turm sind im Grundes separate, aber miteinander verbunden Gebäude in klaren Formen. Sie bilden aber eine Einheit und sind auch in einem Guss entstanden. Die Kirche formt sich al längsrechteckiger traufständigerer Satteldachbau von etwa 32 m x 15 Metern Grundfläche, der nach Süden wegen der Hanglage ein sehr hohes Sockelgeschoss ausbildet. Die Längswände sind mit großen hochrechteckigen Fenstern durchbrochen wird. Durchzeit die östliche Giebelwand eine breite Betonformsteinbahn. Dem Kirchenbau vorgelagert, strebt an der Südostecker der 28 Meter hohe Kirchturm als Kampanile mit gedrungenem Untergeschoss auf quadratischem Grundriss empor. Markant und mächtig ist sein wuchtiges Pyramidendach, das von einem vergoldeten Kreuz auf Wetterhahn und Kugel bekrönt wird. Das Turmuntergeschoss dient mit seinen rechteckigen Öffnungen nach Süden und Norden als Durchgang zur Haupterschließung des Kirchengländes und mimt da Ruch die Funktion eines Torturmes und einer Vorhalle. Ansonsten markieren die Turmfassaden nach drei Seiten nur noch die Schalllukenöffnungen der Glockenstube in Form von mächtigen vertikalen Fensterbahnen. Eine hohe Mauer, die in ihrem Oberteil hochrechteckige Fensteröffnungen aufweist, verbindet Turm und Kirche und begrenzt den Kirchplatz nach Westen. Sie dient gleichzeitig als Auflager für ein Satteldach, das die Treppenrampe zum schlichten Hauptportal in der Kirchensüdseite fortsetzt. Vor die Südostecke der Kirche ist das ebenfalls zu Flurstraße traufständige Pfarrhaus gesetzt, ein ebenfalls längsrechteckiger zweigeschossiger Satteldachbau mit regelmäßigen Fensterachsen aus traditionell hochrechteckigen Fensterformaten.

Alle Gebäude sind verputzt und einheitlich in einem hellen Ockerfabton gestrichen, die Fensterlaibungen und schmalen Fensterrahmungen dazu hell abgesetzt. Ursprünglich war die allgemeine Tönung wohl mehr in grauen Farbbereichen zu suchen. Die Dächer mit ihren geringen Überständen bedecken rotbraune Biberschwänze. Benietete Kupferplatten verkleiden die Kirchenportale.

Kirchenraum

Der Kirchenraum präsentiert sich als längsrechteckiger gerichteter Saal mit Flachdecke. Das Presbyterium grenzt sich nur mit einer durch Stufen erhöhten großzügigen Ebene über die gesamte Raumbreie im Osten ab. Auf ihr kommt der Hauptaltar auf einer mit Stufen angehobenen Plattform zu stehen. Ganz traditionell durchmisst eine großzügige Empore, getrogen von Pfeilern, die westliche Stirnwand. Der Fußboden ist mit quadratischen Solnhofer Platten belegt, unter dem Gestühl liegen graugrüne Kunststeinplatten. Die Wände sind verputzt und hell gestrichen. Die farbige Absetzung der Flächen durch eine Fensterrahmung und einer horizontalen Farbstreifens im Bereich des Kreuzwegs ist allerdings nicht ursprünglich. Bauzeitlich waren keine farblichen Differenzeirungen in Wandflächen vorhanden. Große gestrichene Platten verkleiden die Heizkörpernischen unter den Fenstern. Letztere mit ihren mattblauen Metallrahmen und –sprossen sind mit farblosen Strukturglasscheiben bestückt bis auf das künstlerische Betonformsteinfeld in der östlichen Stirnwand. Die Emporenbrüstung weist eine vertikale Holzstäbung auf. Die Decke wurde mit hell lasierten Nadelholzpanelen verkleidet.

Die Ausstattung gibt sich betont schlicht und klar definiert wie die gesamte Anlage. Künstlerisches Prunkstück ist das Betonformsteinfensterfeld der Altarwand, das die Funktion eines Retabels übernimmt. Neben einem hellen Kreuz, dessen Breite sich an den Formsteinen orientiert, werden dort in die mit intensiven Blautönen vorgenommene Verglasung zahlreiche christliche Symbole in Bezug zum neuen Evangelium farbig eingestreut. Es erscheine z.B. Kreuzigungsattribute wie Leiter, Zange, Nägel, Schwamm auf Stock und Lanze, sowie Euchristiesymbole wie Trauben, Ähren und Fische, ein Hahn und als oberster Abschluss eine weiße Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Direkt unter diesem Fensterfeld ist der bauzeitliche Tischaltar aus graugrünem Marmor platziert, der heute nur noch als Sakramentsaltar dient. Auf ihm steht noch in situ der goldene bauzeitliche Tischtabernakel mit seiner ornamentierten Front, in die Bergkristalle und rhombenförmige Embleme in Emaillearbeit appliziert sind. Letztere symbolisieren Gott Vater Sohn und Heiligen Geist. Unterhalb der altarplattform wurde der neue, farbig angepasste Volksaltar angeordnet. Er wird rechts vom Ambo und links vom Seitenaltar flankiert, die beide wieder aus graugrünem Marmor gefertigt sind. Auf dem Seitenaltar erhebt sich eine alte Madonna aus dem 15. Jahrhundert. Die Kommunionbank ist heute entfernt. Die an den Fenstern der Längswände angebrachten Kreuzwegtafeln sind wohl eine Arbeit des Oberammergauer Holzbildhauers Alwin Delago vom Anfang der 1960er Jahre. Der Taufstein, der wieder in einer klaren kubischen Form auf quadratischem Grundriss aus Muschelkalkkernstein gefertigt ist, wurde unter der Empore an der Wand gegenüber dem Hauptportal vor einem kleinen, künstlerisch verglasten Fenster aufgestellt. Jenes zeigt in kubischen Formen in bunter Bleiverglasung Taufsymbole wie Krug, Taufkerze und Taufkleid. Vor das nicht benutze Portal der Westwand in der Kirchenmittlachse platzierte man einen älteren Altar.

Die Pfeifenorgel mit ihrem sechsteiligen Prospekt aus Kiefernholz, das in zwei nach außen springenden Halbgiebelformen gestaltet ist, fertigte 1968 der Orgelbaumeister Ludwig Eisenbart, Passau.

Ein Beichtstuhl ist unter der Empore in eine Nische der Nordostecke der Kirche eingebaut, ein weiterer kleinerer steht unmittelbar davon an der nördlichen Längswand. Das Gestühl wurde aus hell belassenem Kiefernholz gefertigt und gruppiert sich in wie Blöcken mit Mittelgang zum Altar. Es gestaltet sich äußerst transparent und wangenlos mit betont lockerer Horizontalbrettergliederung für die Sitzrücken und die Frontblenden. Die künstliche Beleuchtung erfolgt durch zwei Reihen bauzeitlicher Pendelleuchten mit mattweißen rohrförmigen Schirmen.

Zusammenfassung

Die Kirche St. Michael in Wilhermsdorf präsentiert sich, begünstigt durch ihre Hanglage, als kirchenburgartige Anlage mit einem Campanile als Torturm zur Haupterschließung. Insgesamt entspricht die Bauweise mit ihrer schlichten, aber extrem traditionellen Formung aus einem längsrechteckigen Kirchenschiff mit hochformatigen Fensterformate, den Satteldächern und dem obligatorischen Pyramidendach des Kirchturms einem zeitgemäß reduzierten „Heimatstil“, wie er für „Landkirchen“ in diesen Jahren vom Erzbistum Bamberg favorisiert wurde. Bemerkenswert und außergewöhnlich ist bei St. Michael die Ausbildung eines retabelartigen, künstlerisch gestalteten Fensterfeldes in der Altarwand. Dies ist ansonsten im Bamberger Erzbistum dieser Jahre völlig unüblich, mit Ausnahme einiger Kirchen des Architekten Josef Rauschen. Das Gotteshaus markiert weiterhin den Endpunkt des an der Überlieferung festhaltenden, konservativen Kirchenbaus des Architekten Walter Mayer, was sich eventuell durch den Tod seines Vater Fritz Mayer im Jahr 1964 erklärt, mit dem er gemeinsam plante. Fortan orientierte sich Walter Mayer mehr zu Modischeren, expressiven Gestaltungslösungen. Das Wilhermsdorfer Pfarrzentrum ist als spätes und monumentales Zeugnis jener, mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ausklingenden, traditionellen Stilphase sowie durch die Homogenität seiner Anlage ein beachtenswertes Zeugnis seiner Entstehungszeit.

Auch zukünftig solle daher aus seine Erhaltung, vor allem der Einheitlichkeit seiner Gesamtanlage, ein besonderer Wert gelegt werden.

 (Auszug aus dem Buch "Kirchenbauten im Erzbistum Bamberg" von Robert Wachter)

Hauptkirche St. Michael

St. Michael
Flurstr. 8
91452 Wilhermsdorf

Tel. 09102-317
Fax. 09102-999074